Trapper Geierschnabel

Nicht alles, was neu ist, muss schlecht sein.
Was hab ich gelästert über Leute, die in Kleincomputer starrend vor sich hingestanden sind. Bin aber heute gewandert in urigster schwäbischer Flur mit dem Tablet in der Hand.
Wie kam das?
Im Frühjahr findet hier die alljährliche Bewährungserprobung statt. Rauf auf die Alb, ein paar Höhenmeter machen und gucken, ob der gealterte Organismus das noch auf die Reihe bringt.
Aber wohin soll es gehen? Im Hirn tut sich ein wahres Panoptikum ausgetretener Pfade auf. Aber da es für wirklich Alles ein App gibt, entstand mir die Vorstellung, dass so ein Progrämmchen zum Wandern abladbar sein muss.
In der Tat, Albtips hat es!
Rauf mit dem App auf’s Androidchen – und:
Es gibt abartig viele Pfade hier, von denen ich nicht den blassesten Schimmer hatte. Ganz schnell wurde einer ausgewählt. Streuobstwiesen, Albaufstiegsbewährungserprobung, Hochfläche, Magerrasen, Brotzeitplatz und wieder hinunter. Ich war echt gespannt.
Fazit: Klasse!
Man muss da ein bisschen reinkommen. Das Navi mag ich nicht, ich bin eher der Old-School-Nach-Dem-Weg-Frager, aber das geht im einsamen Hain nicht immer.
Und im Forst hat man auch Schatten, ganz sinnvoll, den bei Sonne wird das Tablet blind. Ansonsten ist das wie mit Karte wandern, nur dass ein kleiner beweglicher blauer Punkt mit spitzem Kegel sagt, wo man ist und ob man vom rechten Weg abkam – der Wanderkarte ist das völlig egal, kein Lotse.
Die Pfade waren sehr abenteuerlich. Ohne das Äpp hätte ich manchen Weg nicht gesehen, völlig vom Bärlauch überwuchert, in solchen Massen, man hätte die halbe Bronx mit Pesto versorgen können. Da es keine ausgewiesenen Wanderwege waren, sondern eine alte Heusteige, lagen rustikal Bäume kreuz und quer – urig und so lederstrumpfmässig. Aber der kleine blaue Punkt ward bei mir und alles wurde gut.
Es ist immer ein fast magischer Moment, wenn die die Albhochfläche erreicht ist und die Perspektive wieder in die Horizontale kippt. Plackerei zuende, das Körperlein tut noch mit, guter Junge!
Ruhe, der Geruch von Magerwiesen, Enziane, erstes Spriessen der Knabenkräuter. Das geht schon ganz tief rein, das würde sogar der Schwabe als „ganz nett“ bezeichnen.
Der Rückweg war eine ebenso feine Sache, kein Gekrame in der Karte, toller Weg, während der Völkerwanderung wäre so ein Helferlein eine feine Sache gewesen.
Oha, da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, „Albtips“ wird mein Wandersmann-App!

Morgen ist das nächste Albroadmovie angesagt, eine Rote dabei, Weckle, Feuerstelle, miam miam.

Der Soundtrack: Little Martha (Klick to hear)
Duane Allman.

Und noch ein paar Bilder (Klick to gugg)

15 Gedanken zu “Trapper Geierschnabel

    • Äbenfalls Grüße. Es fehlen leider die Quellen, die eine Verwandtschaft des Begriffes „Äpp“ mit dem „Äppler“ belegen. Mir scheint der Begriff eher von dem schwäbischen „Äbbes“ herleitbar, eine Verkürzung von „Äbbes Neiss“ – „etwas Neues“

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    • Das habe ich bisher auch so gemacht, meistens mit Wanderkarte und topographische Karte noch zusätzlich. Ich liebe Landkarten. Die alte Heusteige allerdings hätte ich nie gefunden. Ich gehe davon aus, dass die Info korrekt ist, und dann war das schon eindrucksvoll, sich vorzustellen, wie da in früherer Zeit das Heu heruntergeschafft wurde.

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      • Der Spucknapf – für mich das unvorstellbarste Teil des Interieurs einer Bar, das sprengt bei mir alles. Von dessen Existenz hab ich hier zum ersten Mal etwas erfahren, als Kind dachte ich, das sei ein Witz.

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      • Meys Pfeifer hab ich sehr spät kennengelernt, auf „20 Uhr“ ist der nicht drauf und das war lange die einzige Meyauslese, die mir zugänglich war. Da gibts doch aber so einen Dean Martin Western, wo er einen versoffenen Scheriff spielt, der sich einen Dollar aus dem Spucknapf holen soll und der nach dieser Erniedrigung wieder trocken wird und mit 2 Helfern dann alles zusammenschießt. War das „Rio Bravo“? Der wo auch Ricky Nelson eine Rolle hat? – Daher stammt meine Kenntnis über Spucknäpfe.

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  1. Enzian? Wie viele Höhenmeter sind denn das da? Ich dachte immer das Zeugs findet man, wenn überhaupt, in den sehr schwer zu erreichenden Bergregionen in denen Alb mit p geschrieben wird.

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    • Es handelt sich um den „Frühlingsenzian„, den habe ich hier auf der Alb an einigen wenigen Stellen gefunden. Gestern ganz üppig in großen Gruppen, das habe ich noch nie erlebt. Die Blütenfarbe ist ein wunderschönes Blau. Gestern waren das fast 800 Meter, ich hab ihn aber auch schon auf 500 Metern gesehen.
      Stark am zurückgehen sind sie hier, die Magerrasen, ungedüngte Wiesen. Jeder Pflanzenfreund raunt hinter vorgehaltener Hand den Eingeweihten diese versteckten Standorte zu. Dort wachsen vor allem Orchideen. Und die Geheimniskrämerei hat ihren Grund, weil es immer wieder Pfosten gibt, die die Pflanzen ausgraben für den Vorgarten oder den Topf und damit die Standorte unwiderruflich zerstören oder die eben nur unsensibel herumtrampeln.

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      • Ah ja klar, jetzt fällts mir wie Schuppen..wo Du blau sagst. Als komplette Null in Floristik hab ich das latürnich mit dem anderen Alpendingens verwuchselt, dem Edelweiß.

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