Brotlose Kunst

1739 – 42 fertigte Carl Maximilian Mattern einen Schreibschrank für Friedrich Karl von Schönborn an, den Fürstbischof von Würzburg. Mattern war einer der besten Kunstschreiner seiner Zeit.
Alleruntertänigst bat er seine Eminenz dann zur Besichtigung. Der fiel aus den bischöflichen Wolken, denn diesen Auftrag hatte er nie erteilt, als absolut Herrschender war er irritiert. Dafür wurde die Hofkammer gewaltig gemaßregelt, Sondersitzung. Das war ja nicht ein Schreibtisch von Ikea, das Möbel kostete 3000 Gulden. Ganz grob geschätzt etwas mehr als 100 000 Euro. Der Mann biss die Zähne zusammen und bezahlte. Sein Kommentar: „ich sehe kein Platz, wo die machine kann hingestellet und gebrauchet werden“.

Mattern bekam diese Interna nicht mit, woher auch? 1745 wurde er zum Hofschreiner ernannt, er stand auf dem Zenith. Und sogleich begann der Absturz, er zog die falschen Schlüsse und fertigte einen weiteren Schreibtisch an.
Ging in Vorleistung, von der Schwungkraft der zu erwartenden Summe beflügelt. Es war aber nichts, die Hofkammer getraute sich gar nichts mehr und der Fürstbischof lehnte ab. Grob. Ungnädig. Ende.
Er hatte andere Projekte, die Würzburger Residenz und Kirchenbauten mal hier, mal da, das bezahlt man nicht so aus der Portokasse.

Mattern blieb auf seinem Sekretär sitzen und der Fürstbischof starb 1746. Sein Nachfolger kaufte das Möbel für 1000 Gulden, weit unter Wert. Mattern verlor 1753 die Arbeit am Hof, 10 Jahre schlug er sich noch als Feuerwerker der Artillerie durch, dann geriet er ins Elend, immer tiefer, sicher auch seelisch gebrochen, starb als Empfänger von Almosen im Jahre 1774.

Nun steht der Schrank im Museum. Wer da schnell vorüber eilt, der kann gar nicht ermessen, was da steht.

Der Korpus ist aus Eiche. Das wurde alles furniert mit:  Zypressenholz, Rosenholz, Nußbaum, Ebenholz, Kirschbaum. Die Marketerie, mit Elfenbein, für das Wappen (das musste er noch einmal neu einarbeiten, für den Nachfolger) Messing, Perlmutt, Schildpatt, Kupfer und graviertes Elfenbein. Man darf gerne die Bilder mal aufmachen und sich diese Arbeit anschauen.

Und diese Geschichte um unglaublichen Luxus und tiefes Elend, das ist nur eine von unendlich vielen, die diese in den Sammlungen präsentierten Kostbarkeiten erzählen könnten

9 Gedanken zu “Brotlose Kunst

      • …und lässt so den einen oder anderen Gedanken über den verschwenderischen Umgang der Menschheit mit ihren großen Talenten entstehen. Zu allen Zeiten hat man sie darben lassen, in der Armut sind sie jämmerlich zugrunde gegangen.
        Vom fiktiven Amtmann Bläderle und all den Hofschranzen, die an diesem Drama mitgewirkt haben, da findet man mit viel Glück noch eine Notiz in einem alten Rechnungsbuch.
        Aber das Möbel, das hat seinen Erinnerungsort.

        Gefällt mir

      • Wobei ich mich doch frage, wie Mattern die teilweise doch sehr kostbaren Materialien und drei jahre Arbeitszeit für den ersten Schreibtisch vorfinanzieren konnte…
        Vielleicht besteht da auch eine Diskrepanz zwischen deinem und dem verlinkten Bericht.

        Gefällt mir

      • Der erste Schrank, Monsieur Ärmel, der wurde in Auftrag gegeben vom hochherrnlichen Gremium, ohne Bischofswissen. Domherren, Schranzen, Stiftsadel.
        Das war die Vorleistung. Ein klarer Auftrag, nur nicht klar von wem ….

        Gefällt mir

  1. Womit wir bei Paderborn wären. Da kann man sich kein Möbel kaufen, da sollte dringend die bischöfliche Aufmerksamkeit dem Tabellenletzten zufliessen, und ein paar Öcken 🙂
    Sonst kicken die in der nächsten Saison gegen den FC Sankt.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s